Donnerstag, 11. Februar 2016

Say Anything – I Don’t Think It Is (Equal Vision)

Ziemlich unerwartet und ohne große Vorwarnung ist da plötzlich ein neues Say Anything-Album – und das, obwohl man schon lange nichts mehr von der Band gehört hatte und viele Max Bemis und Co wohl im Grunde auch schon abgeschrieben hatten. Aber genau dieser Überraschungseffekt ist Teil des Konzeptes, wie Bemis sagt:

„My team and I decided to forego the dying art of the leadup and share our new record "I Don't Think It Is" with you, right now, with no warning. Why? Obvious. I want to be like Bey. Notreallykidding aside, I've become a bit weary of doing the same song and dance leading up to the actual end­game, people actually listening to something. It also seems to fit with the core of this record: me destroying any notion of feeling blasé about music.“




Die Veröffentlichungstaktik ist aber nicht die einzige Überraschung, auch sonst hat sich einiges geändert. Die Produktion etwa ist schroffer und noisiger denn je – gerade zu Beginn dürfte sie manch alten Emo-Fan mit ihrem Lofi-Ansatz und dem oben drauf gesetzten harschen Gesang durchaus verschrecken. Hinzu kommt ein deutlich ausgebauter Prog-Anteil – was früher immer nur im Ansatz durchdrang, ist jetzt omnipräsent. Und Bemis lässt seiner Liebe für den Hiphop freien auf – er hat ja erst kürzlich offiziell Kanye West gehuldigt und geht jetzt auch musikalisch immer mehr in Richtung Experiment, offene Songstruktur und sehr variables Drumming.

Das heißt dann allerdings nicht, dass „I Don’t Think It Is“ so gar nichts mehr mit den früheren Werken zu tun hat. Es gibt immer noch eingängige Melodien, viel Pop-Appeal, gelegentliche leicht pathetische Momente und einfach schöne Harmonien irgendwo in der Bandbreite von Coheed & Cambria über Panic At The Disco bis Fall Out Boy. Trotzdem ist die Scheibe eher ein Grower als ein direkter Hit, vieles zündet nicht zu Beginn, einiges auch nicht nach dem zehnten Durchgang, und manches Stück bleibt bis zum Ende doch eher Skizze als Song.


Die Überraschung ist Bemis trotzdem geglückt – und vieles klingt lebendiger und frischer, als es viele von dieser band wohl erwartet hätten.


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