Donnerstag, 9. Juli 2015

Desparecidos – Payola (Saddle Cereek)

Vorab ein kleiner Gecshichts-Exkurs:  Desparecidos gründeten sich 2001, brachten dann 2002 ein Album namens „Read Music / Speak Spanish“ via Saddle Creek heraus, um sich danach zwar nicht aufzulösen, aber zumindest erstmal auf Eis zu liegen – Frontmann Conor Oberst hatte nämlich genug mit seiner erfolgreichen Solo-Karriere zu tun. Vor ein paar Jahren gab es dann wieder Shows, es folgten ein paar Singles und jetzt eben Album Nummer 2 namens „Payola“ – das einen Mix aus den erwähnten Singles der letzten Zeit sowie einer Gruppe neuer Songs enthält. Abseits der ganzen Historie ist aber vor allem eines wichtig: Oberst klang wohl noch nie in seiner Karriere so eingängig-krachig – und so fröhlich.


Zwar kann aktuell überall nachegelesen werden, wie wütend die Texte sind, wie politisch engagiert zudem, und dass „Payola“ überhaupt durch und durch eine Punkrock-Platte ist. Das mag auch alles irgendwie stimmen, ist aber nur die halbe Wahrheit – die Scheibe ist nämlich gleichzeitig gespickt mit grandiosen Ohrwürmern. Das ganze klingt wie eine wütendere Version von Weezer oder eine straightere Variante der Japandroids – Power-Pop jagt Power-Pop, hymnischer Refrain folgt auf krachige Strophe. Mal wird es durchaus rotzig und schnell wie in „Radicalized“, dann wieder folkig-alternativ auf den Spuren von Against Me wie in „The Underground Man“.


Man kann vielleicht kritisieren, dass sich Desparecidos wiederholen – Songstrukturen, und Riffs sind von Song zu Song oft durchaus vergleichbar. Was nichts daran ändert, dass die Platte ein energetischer und sonniger Spaß mit kritischem Anstrich ist – und einige echte Hits zu bieten hat, die noch lange im Ohr nachklingen werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen