Mittwoch, 18. März 2015

Eskimo Callboy - Crystals

Vorweg: Die Diskussion, ob die Welt eine Band wie Eskimo Callboy braucht, sparen wir uns an dieser Stelle. Die hatten wir schließlich schon bei den ersten beiden Alben, und jeder, der die Jungs aus Castrop Rauxel für die schlimmste denkbare Version des Hardcore-Genres hält, wird seine Meinung anno 2015 bestimmt nicht ändern - sondern sollte an dieser Stelle am besten mit dem Lesen aufhören.

"Crystals" ist nämlich nicht viel anders als  “We Are The Mess“ und “Bury Me In Vegas“ geworden, im Gegenteil: Die Band klingt sogar noch etwas cheesier, noch mainstreamiger, noch poppiger. Das findet man eben abgrundtief furchtbar. Oder ist entzückt darüber, wie viele Chart-taugliche Hits die Jungs aus dem Ärmel zaubern.



Mangelnde Ohrwurmqualität lassen sich Eskimo Callboy nämlich weiterhin nicht vorwerfen. Natürlich folgt jeder Song dem gleichen Schema - eine laute Metalcore-Strophe wird gepaart mit einem eingängigen Bubblegum-Singalong-Refrain. Aber die Band weiß besser denn je, wie sie die Stücke trotzdem abwechslungsreich hält - und besitzt keinerlei Scheu, auch die wirrsten Stilexperimente mitzumachen und sich über den wirren und kruden Mischmasch selbst ins Fäustchen zu lachen.

Das funktioniert vor allem als Party-Musik: Eskimo Callboy sind so etwas wie Die Atzen des Metalcore. Oder eine Boygroup für den Moshpit - das unterstreicht man auch dadurch, dass auch gerne mal  Tearin' Up My Heart von 'N Sync nachgesungen werden. Auf die Idee muss man erstmal kommen. Auch sonst wechselt man fröhlich zwischen Breakdowns und Breakbeats, mixt Synthie-Pop mit einem Gastauftritt von Sido, reiht Dubstep an HipHop-Hymne und Kinderchöre. Für Puristen ist das der Untergangd es Hardcore-Abendlandes. Alle andere können noch so oft betonen, was "Crystals" für eien Zumutung ist - sie werden trotzdem Probleme haben, Stücke wie "Pitch Please", "My Own Summer" oder den Titelsong wieder aus dem Kopf zu bekommen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen