Mittwoch, 29. Oktober 2014

Rancid - Honor Is All We Know (Epitaph)

Sechs Jahre sind seit dem letzten Rancid-Album vergangen, die Mitglieder haben sich allesamt in anderen Projekten kreativ vergnügt - irgendwie konnte man im Vorfeld der Veröffentlichung von "Honor Is All We Know" das Gefühl bekommen, dass die Luft raus ist bei einer der wohl besten Punkrock-Bands aller Zeiten. Und je nach persönlicher Erwartungshaltung wird man sich nach dem Anhören der Scheibe sogar bestätigt fühlen. "Honor Is All We Know" ist nämlich einiges defintiv nicht. Die Scheibe ist zum Beispiel nicht abwechslungsreich. Sie ist nicht wütend. Nicht Genre-definierend, nicht überraschend, und definitiv kein neuer Meilenstein in der Band-Discographie. Irgendwie enttäuschend also?



Nicht unbedingt. Wer sich damit abfinden kann, dass die vierzehn Songs im Grunde sehr straighter, sehr direkter und schneller Streetpunk sind, wird hier wahnsinnig viel Spaß haben, denn ab dem Opener darf eigentlich durchgängig in die Gangshouts eingestimmt und ein eingängiger Monent nach dem anderen mitgegröhlt werden. "Back Where I belong", "Raise Your Fist", "Collision Course" - die Scheibe ist gerade mal drei Songs alt, da sind die Stimmbänder auch schon heiser.

Erst in "Evil's My Friend" gibt es eine kurze Offbeat-Verschnaufpause, die mit Rancid-typischen The Clash-Anleihen auf die Tanzfläche lädt; zusammen mit dem kurz vor Album-Ende gebotenen "Everybody's Sufferin" der einzige Offbeat-Ausflug. Danach darf dann wieder der Nebenmann in den Arm genommen und die Faust gereckt werden, um potenzielle neue Lieblingssongs wie das Titelstück oder "Power Inside" lautstark abzufeiern.

Man könnte "Honor Is All We Know" als unambitioniert bezeichnen; es gibt keine Experimente, keine Neuerungen, keine großen Aussagen - und irgendwie erwartet man von einer Band der Güteklasse Rancid von all diesen Dingen zumindest ein bisschen was. Betrachtet man die Scheibe allerdings als durchgängige Party - und als Statement einer Band, die im gehobenen Alter nicht mehr das Gefühl hat, irgendwem irgendwas beweisen zu müssen und sich wohl fühlt mit dem Schreiben fast ausnahmslos guter Ohrwürmer - wird "Honor Is All We Know" in absehbarer Zeit die Stereoanlange oder Playlist nicht mehr verlassen.

1 Kommentar:

  1. Die Scheibe ist nach der schrecklichen domenoes-scheisse wieder richtig geiler rotziger Punkrock

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