Mittwoch, 30. Juli 2014

The Tidal Sleep - Vorstellungskraft (This Charming Man)

Da ist aber jemand im Zeitraffer groß geworden. Oder waren die schon immer so gut und mir ist es nur nicht aufgefallen? Keine Ahnung. Im Grunde auch egal: "Vorstellungskraft" ist jedenfalls ein Monster von einem Album. Die, die Scheibe als deutschen Beitrag zu "The Wave" sehen, haben ebenso wenig Unrecht wie die, die hier die Auferstehung des 90er-Emo feiern. In den elf Songs geben sich jedenfalls Postrock, Hardcore und Indie die Klinke in die Hand, Wutausbruch reiht sich an atmosphärische Melodie, und wer Songs am liebsten mit Worten wie "Sonnenaufgang nach Gewitterregen und Donnergrollen" beschreibt, bekommt hier ganz viel Material geboten.

Mit "Old Youth" startet man schon hibbelig, wütend und trotzdem eingängig, ein nervöses Flackern und La Dispute sagen Hallo. Bei "Thrive & Wither" wird man dann erstmals vom Atmosphäre-Strom mitgerissen, "Angst" hingegen lässt zumindest in mir die Frage aufkommen, wo eigentlich die ganzen tollen Deep Elm-Bands der Neunziger geblieben sind. Und weiter geht die Achterbahnfahrt: "Flood Dreams" treibt und schlägt um sich, "Glass" trümt sich nach ruhigem Intro zum Postcore-Ungetüm auf, das kurz-knackige "...they will come" wird zum kleinen Ohrwurm, bevor mit "Fathomed" mein persönliches Highlight irgendwo zwischen Defeater und Mineral die Balance sucht und findet. Tolle, spannende und beeindruckend ausgefeilte Scheibe. 


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