Donnerstag, 10. Juli 2014

Rise Against - The Black Market (Interscope/Universal)

Ein kurzer Abriss der phänomenalen Erfolgsgeschichte von Rise Against gefällig? Bitteschön: Von ihren letzten vier Alben haben sie weltweit über vier Millionen Einheiten verkauft. Endgame, Appeal To Reason und The Sufferer & The Witness haben zudem Gold-Status in Deutschland erreicht, Endgame stieg auch noch im Jahr 2011 in Deutschland und Kanada auf Platz 1 in die Charts ein; in den Billboard-Charts landete das Album auf Platz 2.

Und das schöne daran: Für den Weg von der kleinen Punkrock-Kapelle zur Stadionband haben sich Rise Against nie verbogen. Manch früher Anhänger von "The Unraveling" (2001) oder "Revolutions Per Minute" (2003) mag das zwar anders sehen und den über die Jahre immer glatter gewordenen und besseren Sound bemängeln; aber vergleicht man die Biographie von Rise Against mit der von anderen vermeintichen Punk-Bands, die mit der Zeit zum Massenphänomen wurden, finden sich bei Tim McIlrath und Co. peinliche Stil-Experimente ebenso wenig wie Pop-Anbiederungen - stattdessen schreibt man weiter politisch motivierte Texte und wirkt nach außen immer noch so bodenständig und sympathisch wie zu Beginn.

Bei allen tollen Riffs, grandiosen Melodien, hervorragenden Chören, dringlichen Textzeilen und Wahnsinns-Ohrwürmern wie "I Don't Want To Be Here Anymore" schleicht sich diesmal aber dann doch tatsächlich ein Problem ein - was mich auch annehmen lässt, dass die steile Erfolgskurve der letzten Jahre anno 2014 erstmals wieder eine ganz kleine Delle erhalten wird. Nicht, weil Rise Against schlechter geworden wären; auch nicht, weil es diesmal schon wieder einen Tick langsamer, glatter und poppiger zugeht; "Tragedy + Time", der Midtempo-Rocker "Sudden Life" oder das Titelstück sind stellenweise schon arg zurückhaltender Radio-Rock. Sondern weil "The Black Market" dann doch etwas zu vorhersehbar geworden ist. Schon beim ersten Durchlauf hat man das Gefühl, die Platte bereits zu kennen. Das spricht für den beeindruckenden Wiedererkennungswert einerseits, aber bringt eben auch eine gewisse Routine mit sich - man weiß schon vorher genau, was passieren wird.

Fast so, als würden Rise Against ihre besten Songs nochmal leicht überarbeiten und neu auf die Platte packen. Wobei man fairerweise sagen muss, dass sie das auf gewohnt hohem Niveau tun. "The Great Die-Off", das schön-rotzige "The Eco-terrorist In me", "Awake Too Long" oder das anklagende "A Beautiful Indifference" sind Hits. Allerdings Hits, die der Güteklasse der letzten Alben minimal nachstehen. Ähnliches gilt für die mittlerweile obligatorische Akustik-Nummer - "People Live Here" ist schön und berührt. Aber kein Gänsehaut-Moment wie manch früherer Teil aus der Reihe "Tim solo mit Gitarre".

Wenn sich das jetzt alles sehr kritisch anhört: Ist es im Grunde gar nicht. "The Black Market" ist eine sehr gute Platte geworden. Aber Rise Against haben eben auch schon bessere gemacht. Auch und gerade in den letzten Jahren.....

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