Mittwoch, 16. Oktober 2013

Jason Isbell - Southeastern (Southeastern/Alive)

Angesichts der ganzen ehemaligen Punkrocker, die plötzlich einen auf Country- und Folk-Barden machen, verliert man ja manchmal aus den Augen, dass es auch Musiker gibt, die diesen Stil von Beginn an gespielt und sich nicht erst mit dem Älterwerden gewandelt haben. Die sind dann oft bei uns allerdings nicht sonderlich bekannt. Bestes Beispiel: Jason Isbell. "Southeastern" ist schon sein viertes Solo-Album, davor war er elemantares Mitglied der Drive-By Truckers - was in den USA viele wissen, hierzulande aber wohl kaum jemand. Aber die Zeit könnte bald vorbei sein: "Southeastern" ist ein derart starkes Album, dass Isbell wohl auch bei uns schnell mehr als nur ein Geheimtipp sein dürfte.

"Cover Me Up" ist ein reduzierter, trauriger, berührender Opener, der einem gleich zu Beginn wie Kloß im Halse stecken bleibt, schon bei "Stockholm" wandelt sich das Bild aber und Isbell zeigt seine Vielseitigkeit - das ist Band-verstärkter Folk-Pop, wie er auch Ryan Adams gut zu Gesicht steht. "Travelling Alone" ist dann ein ruhiger, aber sehr eingängiger und angenehm melancholischer Country-Ohrwurm, "Elephant" düsterer Singer-/Songwriter-Stoff.

Isbell bewegt sich weiter traumwandlerisch sicher durch die verschiedenen Bereiche traditioneller US-Klänge, hat für Fans von Springsteen und Tom Petty ebenso viel zu bieten wie für Leute, die eigentlich nur Gaslight Anthem und Frank Turner hören. Und mit "Super8" gibt es sogar noch eine Uptempo-Country-Nummer, die ein bisschen Klischeehaft und ironisch klingt, aber auch nochmal verdeutlicht, warum es Sinn macht, dass diese Scheibe in Nashville aufgenommen wurde. Isbell versucht nicht einfach, großen Namen nachzueifern. Er gehört schon selbst zu den würdigen Vertretern dieses Stils.

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