Dienstag, 17. September 2013

Sundowner - Neon Fiction (Fat Wreck)

Sundowner ist bekanntlich das Solo-Projekt von Lawrence Arms-Sänger Chris MacCaughan, das den Status des Seitenprojektes allerdings längst hinter sich gelassen hat - schließlich ist "Neon Fiction" schon das dritte Sundowner-Album, und auf neues von den Lawrence Arms muss man leider immer noch warten, auch wenn der Großteil der Wartezeit glücklicherweise mittlerweile überstanden ist.

So oder so sollte man aber "Neon Fiction" nicht als Ersatzdroge verstehen. Natürlich ist MacCaughans Stimme unverkennbar, aber Sundowner haben sich über die Jahre entwickelt, sind vielseitiger und eigenständiger geworden. Die früher öfter mal geäußerte Formel "Lawrence Arms im Lagerfeuer-Stil" passt jedenfalls längst nicht mehr: "Neon Fiction" ist eine Platte, die über weite Strecken mit kompletten Bandsound aufwartet und zwar von einer grundtraurigen Stimmung durchzogen wird, aber alles andere als typische Lagerfeuer-Kost ist.

"I won't let the darkness catch me this time" singt Chris im schönen und beschwingten, aber eben auch nachdenklichen "Cemetery West", und auch nach mehrmaligem Hören weiß man nicht so recht, ob er Wort halten kann. Nachdenklichkeit bestimmt die einmal mehr sehr guten Texte, etwa wenn es im tollen "Concrete Shoes heißt": "I found my bones covered in a morning snow, I saw my face in a reflection of the shop windows, My heart was hard, floated like a lead balloon, I was walking slowly in my concrete shoes". Man spürt diese Schwere, aber die Kunst von MacCaughan ist es, das Ganze trotzdem irgendwie positiv klingen zu lassen. Anders gesagt:  "Neon Fiction" ist ein trauriges Album, aber ein trauriges Album mit ganz viel Schwung und Elan.

Einflüsse kann man da viele nennen, von Leonard Cohen über Promise Ring bis zu Frank Turner. Ganz oft erinnert das Ganze dann auch an Weakerthans-Meisterwerke wie "Left & Leaving" - das traurig-tolle "Poet Of Trash" oder das grandiose Midtempo-Melancholie-Stück "Wildfires" könnten auch aus der Feder von John K Samson stammen. Anstelle des verflixten dritten Albums kann hier ganz klar von dem Album gesprochen werden, das den Sound von Sundowner definiert - und Sundowner vielleicht im persönlichen Fan-Herzen noch nicht auf ein emotionales Level mit den Lawrence Arms hievt, aber den Abstand spürbar zusammenschmelzen lässt - "Neon Fiction" ist einfach ein immens vielschichtiges und schönes Indie-Folk-Pop-Songwriter-Album, das keinerlei Referenz an die Lawrence Arms benötigt, um für gut befunden zu werden.

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