Montag, 22. Juli 2013

Defeater - Letters Home (Bridge9)

Von wegen Sommerloch: Innerhalb weniger Tage erscheinen die neuen Platten von Counterparts, August Burns Red und Defeater - und auch wenn es natürlich wenig Sinn macht, diese Bands stilistisch miteinander zu vergleichen, ist doch jedes dieser drei Alben ein Genuss für jeden Hörer anspruchsvoller, harter Musik.

Bei Defeater war das vielleicht noch am ehesten zu erwarten, schließlich hat die Band dank der letzten beiden Alben ohnehin eine Sonderstellung in der Hardcore-Szene inne; trotzdem ist es beeindruckend, wie souverän die Band mit den in sie gesetzten Erwartungen umgeht.

Das inhaltliche Konzept mit dem Zweiten Weltkrieg als Grundlage, das wohl von Beginn als Trilogie angesetzt war, wird beibehalten - nur eben diesmal diesmal nicht aus der Sicht der beiden Söhne, sondern aus der des Vaters, der seine Verzweiflung in den "Letters Home" ausbreitet. Manch einer wird sich an dieser wiederholten inhaltlichen Schwerpunktsetzung stören, insgesamt bietet sie aber ein geeignetes Fundament für die von Verzweiflung und Wut getriebenen Texte. Nicht nur in den ganz außergewöhnlichen Momenten wie in "Blood In My Eyes", wo für einen Moment nur das verzweifelte Gebrüll ganz ohne Musik zu vernehmen ist. Sondern während des gesammelten Albums.

Musikaliscb ist das Album dann uneingeschränkt großartig. Die Band hatte vorab schon angekündigt, sich nicht so sehr am letzten Album, sondern mehr am Vorgänger orientieren zu wollen. Und sie hält Wort - es gibt wieder mehr Energie und Brachialität, keine Akustik-Momente. Vor düsterer Atmosphäre kann man sich zwar trotzdem nicht retten, trotzdem wirkt "Letters Home" bei allem Pessimismus offener, zugänglicher.

Das liegt an Stücken wie dem mitreißenden und teils fast melodischen Opener "Bastards", wo Defeater eine Prise As Friends Rust in ihren Sound einfließen lassen, den hymnischen Midtempo-Passagen von "No Shame", wo sich großes Epos und bewegende Gitarrenwucht die Wage halten, oder dem bewegenden "No Saviour". Nicht viele Hardcore-Bands schaffen es, über Jahre und Platten hinweg auf derart hohem Niveau zu agieren. Defeater scheint keine Aufgabe lockerer von der Hand zu gehen. Eine Klasse für sich, zum wiederholten Male.

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