Freitag, 19. April 2013

Itchy Poopzkid im Interview


Seit gut 12 Jahren sind Itchy Poopzkid eine angenehme Konstante in der deutschen Punkrock-Landschaft: Da können sich noch so viele Leute immer wieder über den Bandnamen lustig machen oder fehlende Bereitschaft zum "Erwachsenwerden" diagnostizieren, die Band bringt trotzdem konstant im Zweijahresrhytmus neue Platten heraus, geht recht unbeeindruckt ihren Weg, lässt aber trotzdem immer wieder neue Einflüsse und Weiterentwicklungen zu, ohne den grundsätzlichen Bandsound aus den Augen zu verlieren. Mit großem Erfolg, wie es scheint - die letzte Tour war für die Band eine der besten, wie uns Frontmann Panzer im Interview erzählt hat.

Panzer, Ihr wart gerade auf Tour und habt zwischenzeitlich bei Facebook die Aussage "Die beste Tour die wir je gespielt haben ist das bisher" gepostet - war das der Euphorie des Moments geschuldet oder war die Tour wirklich so gut?

Wir lassen uns zwar generell gerne zu euphorisch unbedachten Aussagen hinreißen, aber den Satz würde ich auch jetzt immer noch unterschreiben. War einfach total gut! Wir freuen uns halt, dass unser Kram nach 12 Jahren immer noch gehört werden mag, und es kamen noch nie so viele Leute zu einer Tour von uns. Das Schöne ist auch, dass die Mädels und Jungs vor der Bühne auch noch jedes Wort mitgrölen können. Und wenn wir nicht so total professionell abgestumpfte Typen wären, hätten wir sicher ab und zu mal ein paar Freudentränen verdrückt. War wirklich total super und irgendwie macht es grade so viel Spaß wie noch nie zuvor.

Habt Ihr Erklärungen dafür, dass die Tour so gut lief? Früchte langer Arbeit, die Qualität der neuen Platte, einfach ein bisschen Glück oder vielleicht was ganz anderes?

Wahrscheinlich alle drei Sachen zusammen. Das Ding bei uns ist, dass wir als Band einfach immer ein kleines bisschen gewachsen sind und nie von irgendwas oder irgendwem von 0 auf 100 katapultiert worden sind. Wir mussten uns schon sehr den Arsch aufreißen, bis überhaupt mal jemand was mit uns anfangen konnte. Das hilft uns auf jeden Fall auch, den „Erfolg“ jetzt total schätzen zu können. Klar, wir hatten 2007-2009 auch mal ein Majorlabel unterm Arsch und liefen auf MTV rauf und runter....aber damals kamen halt nicht annähernd so viel Leute zu unseren Konzerten wie heute. Ich glaube einfach, dass wir als Band insgesamt besser geworden sind und das mittlerweile anerkannt wird, dass wir uns das alles zum großen Teil selbst aufgebaut haben und mit eigener Plattenfirma und so weiter auch bis heute durchziehen.

Wie war es denn zusammen mit MxPx, mit denen Ihr einige Shows gespielt habt?

Für uns war das schon ein bisschen krass, weil wir MxPx als Teenies halt rauf und runter gehört haben und damals totale Fans waren. Als die dann beim ersten Konzert losgelegt haben, standen wir alle drei breit grinsend an der Bühnenseite. Mike und seine Jungs sind auch alle irre nett und das hat total prima zusammengepasst. Sibbi hat ein paar mal den Song „Punkrockshow“ bei denen mitgespielt und das Publikum hat sich auch schon gut durch den Saal geworfen, während die gespielt haben. Die würden wir auf jeden Fall jederzeit wieder mitnehmen...

Eure neue Platte ist ja nun auch schon einige Zeit draußen - seid Ihr mit den Reaktionen, die es für die Scheibe gab, zufrieden?

Ja, sehr. Vor allem kurz nach der Release war das Feedback so positiv, dass wir schon selbst eine Hasskampagne gegen uns starten wollten, weil das alles so reibungslos lief. Mittlerweile gab es wenigstens ein paar Leute die „früher wart ihr besser“ oder „das fünfte Lied ist ja gar kein Punkrock“ geschrieben haben. Alles gut also.

Ich persönlich mag die Platte ja sehr, finde nur, dass sie vielleicht etwas zu lang ausgefallen ist - ist so eine Kritik für Euch nachvollziehbar oder komplett unverständlich?

Ich kanns nachvollziehen, weil ich persönlich selbst eher auf kürzere Alben stehe. Wir haben halt immer totale Probleme Songs rauszuschmeißen. Diesmal hatten wir über 30 Lieder geschrieben und mehr raus zulassen hätten wir einfach nicht über unsere schwachen Herzen gebracht. Ich finde aber dass es, trotz der Länge, immer noch ein sehr kurzweiliges und vor allem abwechslungsreiches Album geworden ist.






Woher kam eigentlich die Piraten- und Seefahrt-Inspiration bei Albumname, Artwork und dem Stück "The Pirate Song"?

Die Grundidee kam dadurch, dass Sibbi den „Pirate Song“ geschrieben hat, in dem es darum geht, dass es zwischen dem Musikerleben und Piratenleben ganz schön viele Gemeinsamkeiten gibt: Jeden Tag ein anderer Hafen, immer dieselbe Crew unterwegs und meistens sind alle besoffen. Irgendwann hatten wir dann den Einfall, fürs Cover einen Notenschlüssel mit einem Anker zu verbinden und dann war klar, dass das ganze Konzept in so einem maritimen Rahmen stehen soll. Wir sind eh schon immer Meerverliebte Typen gewesen und unterstützen derzeit mit „Sea Shepherd“ auch eine Meeres-Umwelt- und Tierschutzorganisation. Macht also sogar noch ein bisschen Sinn alles.

"Where I Wanna Be" huldigt ja unter anderem Eurem Lieblings-Fussballclub, allerdings nennt Ihr ihn nicht explizit - damit sich möglichst viele mit dem Stück identifizieren können?

Nee. Ich hab noch nie einen Hehl daraus gemacht, VfB Stuttgart Fan zu sein und wurde dafür auch in fast allen Städten Deutschlands schon mit Bechern beworfen, weil ich mir zwar immer vornehme keine Ansagen über den lokalen Fussballclub zu machen, den Vorsatz dann aber während dem Konzert doch wieder verwerfe. In „Where I wanna be“ geht es darum, wie ich meine ersten beiden Leidenschaften -Fussball und Punkrock- gefunden habe und ich hab irre viele Nachrichten bekommen von Leuten, die den Song toll finden, weil es bei ihnen ziemlich ähnlich abgelaufen ist. Da ist es dann auch Wurst, ob man jetzt Stuttgart, Mönchengladbach oder Wormatia Worms gut findet.

Wie groß ist Eure Fussball-Leidenschaft denn wirklich? Und wie sieht Euer vorläufiges Fazit zur aktuellen Saison aus?

Unser Fanatismus ist schon echt riesig. Max und ich schauen wirklich fast jedes Gurkenspiel an und wir sind teilweise auch schon mit derber Verspätung auf die Bühne, wenn beispielsweise das ultrawichtige Europapokal-Vorrundenspiel gegen Molde noch nicht zu Ende war. Bei einem Festival haben wir uns einmal sogar einen Fernseher auf die Bühne gestellt und als Bühnenmonitor getarnt, um Fussball schauen zu können. Da bin ich zwar nicht stolz drauf, aber wenn man zwei angenehme Dinge miteinander verbinden kann, sollte man das schon ausnutzen. Ich hab auch ne Dauerkarte für den VfB Stuttgart und bin immer wenn es irgendwie geht im Stadion. Die Saison lief für uns........also ich sag mal so: Uns fehlen immerhin nur 11 Punkte, dann hätten wir schon halb so viel wie der Fc Bayern München.

Apropos Fussball: Wer regelmäßig beispielswiese den Doppelpass auf Sport 1 sieht, bekommt jeden Sonntagmorgen mehrfach den Suzuki-Trailer mit Eurem Song zu hören. Könnt Ihr selbst die Werbung noch sehen?

Nein, mittlerweile nicht mehr, aber ich finde es besser wenn ein Song von uns vor Fussballsendungen läuft, als nach Marienhof oder Alarm für Cobra11.

Ok, dann sag mir allgemein noch: Die vielversprechendste deutsche Punkrock-Nachwuchsband ist Euer Meinung nach....

Schwierig zu sagen, weil die meisten deutschen Bands, die ich gut finde, schon lange am Start sind. Ich kriege aber auch immer wieder CDs in die Hand gedrückt von jungen Bands, die wirklich Spaß machen, gute Texte und Melodien und total Bock haben. Da gibt’s wirklich einige. In letzter Zeit hat mich zwar keine komplett umgehauen, aber junge Punkrockbands mit Potential gibt’s auf alle Fälle. 

Und die drei besten Platten der letzten Monate?

Ui, schwierige Frage. Die Biffy Clyro-Platte finde ich super, das neue Alkaline Trio-Album kann sich auch total hören lassen und vor allem das akuelle The Bronx-Album zieht mir echt die Schuhe aus. Hammerplatte!

Was steht nach Album und Tour als nächstes an?

Jetzt erstmal die alten Beine hochlegen und bald geht dann die Festivalsaison los! Ich freu mich dieses Jahr noch mehr drauf als sonst, weil wir mit ganz vielen Jugendhelden die Bühnen teilen werden. Wenn man am gleichen Tag, auf der gleichen Bühne wie z.B. Bad Religion spielen und auch noch gratis Biertrinken darf, kann man sich schon auf die Schulter klopfen.

Danke Euch!

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