Dienstag, 12. Februar 2013

Biffy Clyro - Opposites (Warner)


Zugegeben, dieses mal war ich mir sicher: Biffy Clyro haben den Bogen überspannt. Das dachte ich bei "Only Revolutions" zwar auch schon, aber da wich irgendwann die "Warum muss alles so furchtbar glatt und Stadion-tauglich sein"-Attitüde eben doch dem Staunen darüber, was für unsterbliche Hymnen diese Band schreibt; auch wenn es jetzt eben nicht mehr Hymnen für einen vermeintlich elitären Indie-Zirkel, sondern für die Massen waren. Als die Schotten dann aber als erstes Lebenszeichen von "Oppsoites" das Video zu "Black Chandelier" veröffentlichten, schien alles klar zu sein: Die Band will nur noch Breitwand-Rock machen und mit Kapellen wie Muse konkurrieren. Da bleibt einem wohl nichts anders übrig, als sich endgültig abzuwenden und den frühen Werken hinterherzutrauern. Oder?

Unzählige Hördurchgänge später muss ich mich dann aber doch wieder geschlagen geben. Diese Band ist immer noch großartig. Und vielleicht sogar großartiger als je zuvor. Natürlich ist die Produktion noch dicker, die Anzahl der gigantomanischen Rocker für die größten Arenen der Welt noch höher. Aber solche wahnsinnig guten Hymnen muss man eben erstmal schreiben. Ein Song wie "Sounds Like Balloons" etwa - der ist so gut, da möchte man direkt beim Hören in die Wembley Artena stürmen um ihn so schnell wie möglich mit so vielen Leuten wie möglich "The land at the end of our toes goes on, and on, and on" lautstark mitzusingen.

Überhaupt, im Grunde ist "Opposites" auch nicht glatter als "Only Revolutions". Den eingängigen, gelungenen Pop-Rockern wie "Different People", "Opposite", "Biblical" oder "The Fog" stehen auch immer etwas schrägere, krachigere Nummern wie "Stingin' Belle" oder "Victory Over The Sun" gegenüber; man erkennt schon eindeutig, welche Band hier am Werke ist, auch wenn eben nciht mehr ungezügelt und wild, sondern auf den Punkt und smart gefrickelt und gewütet wird.

Natürlich sind 20 Songs (wenn man denn die Deluxe-Edition inklusive Bonus-DVD erwirbt; Warner hat gleichzeitig auch noch eine Einzel-CD mit weniger Songs herausgebracht) ein ganz schöner Brocken; nicht jedes Stück taugt als zukünftiger Klassiker. Aber selbst in ihren mittelmäßigeren Momenten sind Biffy Clyro noch verdammt gut; unnötig oder verzichtbar ist nämlich keines der Stücke. Selbst "Black Chandelier" ist nach erstem Zögern richtig gut. Und da kann man noch so oft über die Veränderungen lamentieren: Am Ende des Jahres wird "Opposites" auf verdammt vielen Alben-Bestenlisten ganz weit oben stehen. Und das mehr als zurecht.

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