Mittwoch, 20. Juni 2012

Manowar - The Lord Of Steel (Magic Circle Music)

Alle Jahre wieder kommt die Zeit, in der auch Menschen zu True Metallern werden, die sonst wenig mit diesem Genre am Hut haben - nämlich immer dann, wenn Manowar ein neues Album veröffentlichen. Zuletzt hatten uns die Kings Of Metal allerdings ein wenig hängen lassen, "Gods Of War" war nicht wirklich ein Album, um sein Fahrrad zur Harley umzufunktionieren oder sich Conan-Aufnäher auf den Jute-Beutel zu nähen.

In den ersten Minuten des neuen Album hellt sich die Stimmung dann aber erstmal auf: Wenn Zeilen wie "Stand And Face The Lord Of Steel" im hymnischen Opener ertönen, ist man schnell wieder versucht, die Faust zu recken und mit möglichst viel Pathos den Kopf zu schütteln. Gleiches gilt für die folgende Hymne "Manowarriors": Zeilen wie "In Heavy Metal we believe, if you don't like it time to leave" sind die Essenz dessen, was Manowar ausmacht - und man staunt immer wieder darüber, wie es die Band nach all den Jahren noch schafft derart einprägsame und einfache Klischee-Reime zu formulieren, die sie zuvor noch nie verwendet haben. Gleiches gilt übrigens für den Album-Titel - kaum zu fassen dass "Lord Of Steel" nicht früher schon Verwendung fand, so vertraut wie die Worte klingen.

Ernüchterung stellt sich trotzdem noch ein - weil "The Lord Of Steel" die anfängliche Euphorie nicht aufrecht erhalten kann. Viele Stücke mäandern irgendwo ziellos zwischen Midtempo-Gepose und Halb-Ballade hin und her und können weder mitreißen noch gestandene Metaller zum Schluchzen bringen; das schmalzig triefende “Righteous Glory” etwa dümpelt zahnlos vor sich hin und würde selbst in Valhalla wohl nur als Fahrstuhl-Beschallung dienen. Auf jeden Hit folgt also mindestens ein Schwachpunkt, und dann ist da auch noch die Sache mit der Produktion: In Zeiten, in denen jede drittklassige Metalcore-Kapelle klingt als hätte Odin höchstpersönlich die Regler hochgedreht ist es schon befremdlich, wenn ausgerechnet Manowar mit Synthetik-Bass und Fisher Price-Drums aufwarten.

Neue Mitglieder wird das Manowar-Heer so also kaum gewinnen, die alten werden aber zumindest bei Laune gehalten - und haben hoffentlich mittlerweile alle ein digitales Abspielgerät in der Kutte stecken. Auch Manowar gehen nämlich mit der Zeit: Zunächst erscheint "The Lord Of Steel" weltweit exklusiv auf iTunes und im bandeigenen Online-Shop - die CD folgt erst im Spätsommer.

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